Katholische Kirche will sich im Kreisdekanat Coesfeld strukturell und strategisch neu aufstellen - Keine weiteren Fusionen von Pfarreien

Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp, Kreisdechant Johannes Arntz, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Maria Bubenitschek, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge in der Bistumsverwaltung, sowie Pastoralreferent Matthias Schlettert (von links) nahmen an der Auftaktveranstaltung im Kreisdekanat Coesfeld teil.

Als Kirche zukunftsfähig bleiben
Katholische Kirche will sich im Kreidekanat Coesfeld strukturell und strategisch neu aufstellen – Keine weiteren Fusionen von Pfarreien

Coesfeld (pbm/sk). „Pastorale Strukturen müssen so gestaltet sein, dass die Verkündigung der Frohen Botschaft in Zukunft unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen weiter gut möglich sein wird. Von daher kann und wird der Strukturprozess, den wir im ganzen Bistum und jetzt auch im Kreisdekanat Coesfeld beginnen, nicht losgelöst von inhaltlichen und pastoralen Fragestellungen und dann auch Festlegungen stattfinden." Diese Botschaft hat Weihbischof Dr. Stefan Zekorn am Montag, 27. September, mit in die Aula des St.-Pius-Gymnasiums in Coesfeld gebracht. Hier kamen knapp 100 hauptamtliche Mitarbeitende und ehrenamtlich Engagierte aus dem Kreisdekanat Coesfeld zusammen. Weihbischof und Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp informierten dabei über den Prozess zur Entwicklung pastoraler Strukturen und kamen mit den Haupt- und Ehrenamtlichen ins Gespräch.

Der Weihbischof machte zu Beginn im Gespräch mit Moderatorin Eva-Maria Jazdzejewski deutlich, dass die katholische Kirche sich den offensichtlichen Fragen stellen müsse: „Was bedeuten die massiven Veränderungsprozesse, die wir erleben für uns? – Wie können christliche Gemeinschaft und kirchliches Leben unter den sich wandelnden Rahmenbedingungen dennoch wachsen? – Welche Gestalt von Kirche wird zukunftsfähig sein?" Beim Bemühen, Antworten auf diese Fragen zu finden, schließe der Prozess an die pastoralen Orientierungen an, die im Bistum in den vergangenen Jahren entwickelt worden seien: den Diözesanpastoralplan und die Pastoralpläne der Pfarreien sowie die Überlegungen zur „Sendung der Kirche" und zu den Notwendigkeiten, stärker eine Kirche zu sein, die Beziehung stiftet und in der Veränderungen so gestaltet werden, dass es gelingen kann, „die Krise der Kirche in einen Aufbruch hin zu einer neuen, lebendigen und missionarischen Kirche zu wandeln". Zudem werde es eine enge Verknüpfung mit weiteren Veränderungsprozessen geben. Der Weihbischof nannte den Spar- und Strategieprozess, das angedachte Klimaschutzkonzept sowie die Modernisierung der Bistumsverwaltung.

Generalvikar Winterkamp machte deutlich, dass es durch Bischof Dr. Felix Genn drei Vorgaben für den Prozess gebe: „Es wird keine weiteren, von Bischof Genn verordneten, Zusammenlegungen von Pfarreien geben. Das Verhältnis der Diözesanpriester im aktiven Dienst zu den Priestern der Weltkirche in unserem Bistum soll dauerhaft ein Verhältnis von zwei Drittel zu einem Drittel sein. Und es braucht mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien sowie zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen."

Der Generalvikar erläuterte Zahlen, Fakten und Prognosen, die den Prozess zur strukturellen Entwicklung notwendig machen: So wird die Katholikenzahl im Bistum bis 2040 von derzeit knapp 1,8 Millionen auf weniger als 1,4 Millionen zurückgehen. Sind es heute im Kreisdekanat Coesfeld noch rund 170.000 Katholiken, so werden es in zwanzig Jahren nur noch 119.000 sein. Im kirchlichen Leben, etwa bei den Gottesdienstbesuchern, Taufen oder Eheschließungen hat es in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge gegeben. Und die finanziellen Mittel, die dem Bistum insbesondere über Einnahmen aus der Kirchensteuer zur Verfügung stehen, werden in Zukunft spürbar geringer ausfallen. Besonders gravierend sind zudem die erwartenden Einbrüche beim seelsorglichen Personal: Gibt es derzeit noch rund 380 Diözesanpriester im aktiven Dienst, 165 Priester der Weltkirche, 600 Pastoralreferentinnen, Pastoralreferenten und Diakone im Hauptamt sowie 225 Diakone mit Zivilberuf, also insgesamt 1.370 Seelsorgerinnen und Seelsorger wird diese Zahl bis 2040 auf 500 bis 550 zurückgehen.

„Und bei den Menschen, die freiwillig in der Kirche aktiv sind, sehen wir eine deutliche Veränderung hin zu einem zeitlich befristeten, projektbezogenen, klar beschriebenen und nachhaltig sinnstiftenden Engagement", sagte der Generalvikar. Allgemeine Megatrends verschärften die Notwendigkeit für Veränderungen. Und schließlich würden dazu auch innerkirchliche Missstände und Entwicklungen beitragen.

Vor allen diesen Hintergründen, so sagte Generalvikar Winterkamp weiter, sei die Überzeugung gewachsen, dass es im Bistum neue sogenannte „Pastorale Räume" geben müsse. Von der Bistumsleitung und der Bistumsverwaltung seien hierfür für jedes Kreisdekanat Vorschläge entwickelt worden. „Das sind ausdrücklich nur Vorschläge. In einem beteiligungsorientierten Prozess wollen wir von Ihnen hören, was Sie von diesen Vorschlägen halten", wandte er sich an die Teilnehmenden. Auch viele inhaltliche Fragen, die damit verbunden sind, seien noch nicht geklärt. Das werde im Lauf des Prozesses erfolgen. Die Beratungs- und Entscheidungsphase im Prozess solle bis April oder Mai 2023 abgeschlossen sein.

Der Generalvikar stellte einige Grundüberlegungen zu den Pastoralen Räumen vor: Die Pastoralen Räume werden nicht Pfarreien, Gemeinden, Einrichtungen oder Verbände ersetzen. Die Präsenz der pastoralen Arbeit in der Fläche soll so weit wie möglich gewährleistet bleiben. Zugleich wird die Seelsorge in größeren Einheiten gestaltet werden müssen. Dabei erfordert ein pastoraler Raum die Bildung größerer Teams, eine Weiterentwicklung der Rollenklärung des pastoralen Personals, mehr Teamarbeit und ein verstärktes Freiwilligenengagement. Ziel ist es, die Verantwortung für die Entwicklung der Pastoral vor Ort zu belassen sowie genauer zu schauen, wie dabei eine gute Zusammenarbeit zwischen lokaler und regionaler Ebene gewährleistet werden kann. Zu prüfen ist auch, wie verschiedene pastoralen Orte, Einrichtungen und kategoriale Felder der Seelsorge, etwa im Krankenhaus, in der Schule, bei der Caritas und in der Beratung eingebunden werden können. Bei der Identifizierung der pastoralen Räume werden in der Regel die Kreis- und Kommunalgrenzen ebenso berücksichtigt wie der Stand und die Entwicklung der Katholikenzahl, aber auch regionale Realitäten und Unterschiede.

Um im Prozess die Verbindung zwischen den Menschen vor Ort und der Bistumsebene sicherzustellen, gibt es für jedes Kreisdekanat ein Regional-Team. Dieses ist der erste Ansprechpartner für Fragen in der jeweiligen Region. Für das Kreisdekanat Coesfeld bilden Weihbischof Zekorn, die Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge in der Bistumsverwaltung, Maria Bubenitschek, und der Pastoralreferent Matthias Schlettert das Regionalteam. In bistumsweit arbeitenden Prozessgruppen werden zudem zentrale Themen bearbeitet, bei denen es um die strategische Ausrichtung des Bistums in den nächsten Jahren geht: Von der Weiterentwicklung der Pastoralkonzepte, über Leitungsfragen und die Frage, um welche Rechtsfigur es sich beim pastoralen Raum handelt, bis hin zu Themen wie Freiwilligenengagement, Immobilienkonzepte oder Digitalisierung. Die Rollen- und Aufgabenklärung des pastoralen Personals wird ebenso erörtert werden wie die Frage, wie Seelsorge in Krankenhäuser, Schulen, caritativen und Bildungseinrichtungen künftig in den pastoralen Räumen gestaltet werden kann.

Diese Themen sind auch für die künftige Seelsorge im Kreisdekanat Coesfeld von hoher Bedeutung.

Für das Kreisdekanat Coesfeld stellte Weihbischof Zekorn die Vorschläge für die fünf künftigen pastoralen Räume vor: Billerbeck-Havixbeck-Nottuln-Rosendahl; Coesfeld; Dülmen; Lüdinghausen-Nordkirchen-Olfen-Senden sowie Lünen-Selm-Werne. Ascheberg könnte künftig zu einem pastoralen Raum im Kreisdekanat Warendorf gehören.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden mit den Prozessverantwortlichen über die inhaltlichen Ausführungen und strukturellen Vorschläge. Dabei gab es Nachfragen zu Themen wie möglichen Rechtsformen und der Finanzierung der pastoralen Räume, die Aufgabe alter Strukturen sowie der Hinweis auf die Notwendigkeit von Ansprechpartnern in den örtlichen Pfarreien.

Wer Fragen und Anregungen zum Gesamtprozess hat, kann sich wenden an: strukturprozess@bistum-muenster.de.
Fragen zum Prozess im Kreisdekanat Coesfeld können gerichtet werden an: strukturprozess-coe@bistum-muenster.de.  
Weitere Informationen zur Veranstaltung in Coesfeld und zum Gesamtprozess gibt es im Internet unter https://www.bistum-muenster.de/strukturprozess.


Foto:
Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe
29.09.2021

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