Familienbildungsstätte Coesfeld feiert 50-jähriges Bestehen

Freuen sich gemeinsam über das Jubiläum: Weihbischof Dieter Geerlings, Benedikt Helmich, kaufmännischer Geschäftsführer Bildungsforum, Ulrike Wißmann, Leiterin der Familienbildungsstätte, Boris Sander, pädagogischer Geschäftsführer Bildungsforum, und Kreisdechant Johannes Arntz.

Ein Haus – viele Gesichter
Familienbildungsstätte Coesfeld feiert 50-jähriges Bestehen

Coesfeld (pbm/mek). Miteinander, füreinander und aneinander – das beschreibt die Arbeit der Familienbildungsstätte (FBS) in Coesfeld. Und das schon seit 50 Jahren. Grund genug, dieses Jubiläum gebührend zu begehen. Zum Auftakt feierten am Freitag (6. September) Weihbischof em. Dieter Geerlings und Kreisdechant Johannes Arntz in der St.-Lamberti-Kirche einen Gottesdienst unter dem Motto „Ein Haus – viele Gesichter".

In seiner Predigt würdigte Geerlings die Arbeit der Familienbildungsstätte und wünschte dem Haus eine große Offenheit. „Viele sollen darin Platz finden, alles soll gefördert werden, was das menschengemäße Leben fördert. Das ist eine wichtige Aufgabe der Kirche in der Weite des Glaubens", sagte Geerlings. Er betonte, dass heute die auf der Ehe fußende Familie nicht mehr selbstverständlich sei. „Aber deshalb müssen wir nicht engstirnig werden und andere Lebenswirklichkeiten ausblenden oder gar negativ beurteilen. Die Wirklichkeit kommt vor dem Ideal", verdeutlichte Geerlings. Die Gesellschaft, die Gemeinde, die Kirche lebe von der Familie, wie immer sie definiert werde. Sie sei ein Geschenk Gottes für die Menschen und nichts statisches. „Die Qualität der Familie hängt wesentlich davon ab, wie es den Beteiligten gelingt, ihr Zusammenleben zu gestalten und den Zusammenhalt in Partnerschaft und Familie – in nötiger Freiheit – zu festigen", hob der Weihbischof hervor und fügte hinzu: „Alle Familienformen verdienen Anerkennung. Es geht in der Bildungsarbeit des Jubiläumshauses darum, dass das jeweilige familiäre Gefüge gelebt werden kann; nicht, wie man Familie leben soll. Diese Freiheit muss sein." Es gelte, die Vielfalt wahrzunehmen und nicht die Vergangenheit zu romantisieren.

Im Anschluss an den Gottesdienst stand das Thema „Familie" weiterhin im Mittelpunkt. Ulrike Wißmann, Leiterin der Familienbildungsstätte Coesfeld, begrüßte beim Festakt Rose Volz-Schmidt als Gastrednerin. Die Gründerin des Angebots für junge Familien „wellcome", das in Coesfeld mit seinem zehnjährigen Bestehen ebenso in das Jubiläum eingebunden ist, machte in ihrem Festvortrag deutlich, wie wertvoll und notwendig die Unterstützung für junge Familien sei. Familien ständen heute im Fadenkreuz von so genannten Megatrends. „Familien sind immer ein Spiegel der Gesellschaft, und es geht ihnen schlecht", sagte die Wahlhamburgerin. Eine besondere Herausforderung sei die Digitalisierung. „Eltern brauchen Wissen. Sie suchen dieses im Internet. Deshalb müssen wir dort vertreten sein, um ihnen Angebote zu machen", betonte Volz-Schmidt. Auch Netzwerke würden wegbrechen. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens darüber, dass Kinder keine Privatsache sind. Familien müssen sich öffnen und sich von alten Vorstellungen lösen. Sie müssen den Kopf aufmachen und sich Hilfe holen", ist sie sich sicher. Denn auch deren Mütter und Väter hätten die Erziehung nie allein hinbekommen.

Verschiedene Impulse und Lösungsansätze gab Volz-Schmidt den Zuhörerinnen und Zuhörern mit auf den Weg. Vom bewussteren Umgang mit den digitalen Medien oder der Forderung an Arbeitgeber zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In Richtung Politik stellte sie klar: „Jeder Euro, der in solche Einrichtungen fließt, ist ein fantastischer Euro. Förderungen sollten bedarfsorientiert und nicht gewohnheitsmäßig verteilt werden." Aber auch alle seien gefordert. Es sei ein Grundbedürfnis der Menschen, etwas weiterzugeben. Mit einem Dank an die Ehrenamtlichen, die ihre Zeit, ihr Wissen und ihr Herz teilten, schloss sie ihren Vortrag.

Megatrends, Beziehungsprobleme, Kursinhalte und Erziehungsmethoden nahmen anschließend Ute Lindemann-Degen und Helga Klingbeil-Weber auf die Schippe. Als FKK – Frauenkabarett Krefeld – schlugen sie beispielsweise die Einführung der Church-Card vor. „Und wenn Sie dann die goldene Card haben, bringt Ihnen der Weihbischof die Kommunion sogar an den Platz", versprachen sie in Richtung Geerlings. Musikalisch wurde die Veranstaltung von Martin Adolf und Markus Dassmann an ihren Gitarren gestaltet.

In seiner Predigt forderte Weihbischof em. Dieter Geerlings die Anerkennung für alle Familienformen.

Fotos:
Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe
09.09.2019

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